Dauer

Die Dauer eines Coachings hängt davon ab, wie sehr Du bereit bist, der Wahrheit zu folgen und das, was als nicht wahr erkannt wird, loszulassen.


Die gedanklichen Konstrukte, an denen wir festhalten und an die wir uns klammern, geben uns Halt, aber sie führen auch ins Elend. Im Prinzip lebt jeder Mensch so, dass er sagt: Lieber das bekannte Schlechte als das befreiende Neue. Der Mensch hat Angst vor der Ungewissheit, daher ist er stets bemüht, zu kontrollieren, damit es bloß keine Überraschungen gibt.


Loslassen bedeutet auch, das sichere Bekannte aufzugeben und sich auf das neue Unbekannte einzulassen.


Wer die Freiheit der Sicherheit opfert, wird am Ende beides verlieren. Wer die Wahrheit der Lüge opfert, wird darin untergehen.


Worum geht es?

Die meisten Leute kommen mit folgenden Vorstellungen zu mir:

1. Sie glauben, ich habe einen Weg aus der Angst erfunden und werde ihnen nun erzählen, wie das geht.

2. Sie glauben, Loslassen und Akzeptieren sei eine Technik, die man lernen kann.

3. Sie glauben, ich habe ihnen etwas zu geben.

4. Sie glauben, SIE könnten es irgendwie schaffen, einen Weg aus der Angst zu finden.


Nichts davon stimmt.


Ich habe keinen Weg aus der Angst erfunden, das habe ich nirgendwo geschrieben oder gesagt. Aber es wird so interpretiert. Der Mensch liest das, was er lesen möchte, nicht das, was geschrieben wird. Wenn Du einen Weg aus der Angst finden möchtest, dann wirst Du auch glauben, ich hätte einen gefunden.

Tatsächlich war es aber so, dass ich das auch 14 Jahre lang versucht habe, eben einen Weg aus der Angst zu finden, es ist mir nicht gelungen, ich habe versagt auf der ganzen Linie. Ich hatte am Ende so die Schnauze voll von diesen ganzen Bemühungen, die immer und immer wieder nur in Enttäuschungen endeten, dass ich irgendwann sagte: "Ich mache jetzt gar nichts mehr. Ich setze mich hin und gebe alles auf, es hat sowieso keinen Sinn."

Das war der erste Schritt, der wirklich geholfen hat. Es war ein komplettes Aufgeben. Wie in meinen Büchern beschrieben, hatte ich alles probiert, was mir irgendwie nach Hoffnung aussah - Ärzte, Heilpraktiker, Psychologen, Therapien, alternative Methoden, esoterische Praktiken, Hypnose, Auraheilung usw. usw. Immer schöpfte ich Hoffnung und dachte, das ist es aber jetzt und ich war jedes Mal enttäuscht, wenn die Angst zurückkam und suchte das nächste.

Irgendwann war ich am Ende meiner Weisheit, ich hatte keine Idee mehr, was ich noch versuchen sollte. Ich wusste nicht mehr weiter. Ich war müde von diesem ganzen Kampf und ich verlor die Hoffnung, dass es jemals wieder besser werden würde. Es gibt den Spruch "Die Hoffnung stirbt zuletzt" und im Allgemeinen wird dieser Spruch so verstanden, dass man alles verlieren darf, aber um Gottes Willen nicht die Hoffnung. Er bedeutet aber das Gegenteil. Man muss alles aufgeben, ganz am Schluss auch noch die Hoffnung.

Das will aber kein Mensch. Es ist furchtbar, auch noch die Hoffnung zu verlieren. Aber tatsächlich ist genau das die Heilung. Das komplette und allumfassende Aufgeben. Alles so annehmen wie es genau jetzt ist, auch wenn es nicht schön und quälend ist und zwar alles genauso anzunehmen, als würde es für immer so bleiben, denn immer ist jetzt.

Wenn Dir jemand sagen würde: "Du musst Deine Angst und Deine Symptome, Deine Gedanken und Deine Gefühle, alles genauso annehmen, wie es jetzt ist und als ob es für immer genauso bleibt", dann wirst Du spüren, wie sich innerlich etwas wehrt. Auch wenn Du in Gedanken sagt, ja, das willst Du, Du wirst den inneren Widerstand spüren. Sobald dieser innere Widerstand weg ist, ist auch die Angst weg. Dahin kommst Du nicht durch Denken, was Du denkst, spielt überhaupt keine Rolle. Aber Deine Ehrlichkeit spielt eine Rolle. Dein Mut, loszulassen spielt eine Rolle. Dein Erkennen, dass Du sowieso nichts machen kannst, spielt eine Rolle. Es geht nicht darum, etwas zu verstehen oder zu begreifen, es geht um genaue Beobachten.

Du bist bereits hier, aber Du weißt nicht, was hier ist, sondern Du hast eine Vorstellung davon. Diese Vorstellung nennt man das Ego oder das Selbstbild. Viele Leute glauben, sie hätten ein Ego und erzählen mir: "Mein Ego hat wieder gesagt...." Das ist natürlich Quatsch, kein Mensch hat ein Ego, sondern sie alle sind das Ego. Das Ego ist nichts weiter als der Glaube: "Ich bin dieser Mensch und diese Person mit diesem Körper." Aber dass Du dieser Mensch bist, ist nur Deine Vorstellung von Dir, es ist Deine Idee von Dir. Aber was ist wirklich von Dir hier? Was ist Ich? Versuche, es zu finden.

Ich habe nicht die Angst verloren, sondern denjenigen, der immer Angst hatte. Ich habe die Idee von mir verloren und gesehen, was ich wirklich bin. Was ich wirklich bin, ist das Leben, es ist nicht persönlich. Ich weiß, es geht hier nicht um mich, es geht nicht darum, was ich will oder möchte, es geht nicht um meine Vorstellungen oder Ideen, es geht nicht darum, ob ich gut oder schlecht bin, ein guter Mensch oder ein böser, ein kluger oder ein dummer, ein gesunder oder ein kranker, es geht überhaupt nicht um mich. Ich litt unter mir selbst. Ich habe mich selbst komplett aufgegeben, um das zu finden, was ich in meinem tiefsten Kern bin - das Leben selbst. Ich habe mich verloren, um mich zu finden. Das klingt paradox, aber genauso ist es. Ich hatte mich selbst so satt, dass ich mich selbst losgelassen habe. Erst als ich mich verloren hatte, konnte ich ich selbst sein. Das ist mit dem Verstand nicht zu begreifen.

Klienten, die meine Begleitung möchten, habe ich nichts zu geben. Ich kann ihnen nicht erzählen, was sie tun sollen, sondern ich helfe ihnen beim Aufgeben. Letztendlich dabei, sich selbst aufzugeben, die Idee von sich selbst, die Vorstellungen von sich und der Welt. Es geht nicht darum, irgendwelche Trauma zu lösen oder Wunden zu heilen oder Techniken anzuwenden, es geht ums persönliche Ich. Das persönliche Ich besteht aus allerlei Wünschen, Wollen, Hoffnungen und Erwartungen. Erkennt man, was man alles will, wünscht, erhofft und erwartet und was das mit einem macht, kann man die Sinnlosigkeit all dieser Regungen erkennen. Sie haben nämlich nur einen Sinn - einen von dem, was jetzt ist, wegzuziehen. Der Schlüssel liegt aber genau hier und jetzt.

Du bist da, genau hier und jetzt, Du warst niemals woanders oder wannanders. Aber die Vorstellungen und Wünsche und Erwartungen führen einen immer und ständig von diesem Hier und Jetzt weg. Das Hier ist nicht der Ort, an dem sich Dein Körper grade befindet und das Jetzt ist nicht diese Sekunde und gleich gibt es ein anderes Jetzt, nämlich die nächste Sekunde. Das Hier und Jetzt ist das, was Du bist.

Du bist das Nichts, in dem die Bewegung geschieht.
Du bist die Stille, in der der Lärm passiert.
Du bist der Lärm, der die Stille mit Leben füllt.
Du bist das Ewige Jetzt und gleichzeitig der Augenblick.
Du bist das Leben, das jetzt geschieht und die Ewigkeit, in die sich das Jetzt ausdehnt. Es war noch niemals ein anderer Zeitpunkt als Jetzt und Du warst noch immer hier. Nie woanders.

Das ist für Deinen Verstand, der in Zeit und Raum lebst, nicht fassbar. Aber genau hier und jetzt gibt es keine Angst. Das Problem ist, der Verstand kann niemals hier und jetzt bleiben. Er produziert pausenlos Ideen und Gedanken, die mit hier und jetzt nichts zu tun haben. Er kann nicht stillstehen, er rennt immer von hier und jetzt weg, denn da gibt es für ihn nichts zu tun. Warum tut er das? Weil Du es willst, weil Dir hier und jetzt nicht genug ist. Der Weg aus der Angst führt also ins Hier und Jetzt. Aber verwechsele das Hier und Jetzt nicht mit einem Ort im Raum oder einem Augenblick in der Zeit, das ist nicht damit gemeint. Das Hier und Jetzt ist das, was Du bist. Schau genau hin, was von Dir genau hier und jetzt da ist und Du findest Dich selbst und wenn Du Dich selbst gefunden hast, wirst Du klar und deutlich sehen, dass die Angst nur eine Illusion ist, dass Dir niemals etwas passieren kann und dass Dir noch niemals etwas gefehlt hat.

Der Weg hat einen Preis, alles auf dieser Welt hat einen Preis, es gibt nichts umsonst. Du musst dafür bezahlen, wenn Du die Angst wirklich hinter Dir lassen willst. Der Weg kostet Dein Leben und Deine Welt. Mit anderen Worten: Er kostet Deine Vorstellung von Dir, der Welt und dem Leben. Bist Du bereit, diesen Preis zu zahlen? Ist es Dir wirklich, wirklich, wirklich ernst mit Deinem Wunsch, die Angst hinter Dir zu lassen? Was bist Du bereit, dafür zu geben? Bist Du bereit, Dich selbst dafür zu geben? Bist Du bereit, dafür zu sterben? Nicht körperlich, der Körper spielt keine große Rolle, sondern geistig. Alles geschieht im Geist und wenn der Geist den Geist aufgibt, also zur absoluten Ruhe kommt, dann wirst Du sehen, was Du wirklich bist. Der Geist wird nicht zur Ruhe kommen, solange Du noch etwas erwartest, willst, auf etwas hoffst oder wünschst. Darum ist das Aufgeben so wichtig. Ohne komplettes Aufgeben gibt es kein Ankommen im Hier und Jetzt und damit bei Dir. Du bist ja schon da, aber scheinbar bist Du Dir nicht genug, dabei bist Du alles, was ist.